Wolfgang Tillmans - Ausstellung in Remscheid

Ab dem 13. April 2025 präsentiert Wolfgang Tillmans (*1968, in Remscheid) auf 600 m2 die Ausstellung in Remscheid in Haus Cleff. Im Tillmans-Jahr 2025 mit Großprojekten im Albertinum Dresden (ab 8. März 2025) und dem Centre Pompidou, Paris (ab 13. Juni 2025) bietet die Ausstellung in der Geburtsstadt des Künstlers mit originärem Ortsbezug und ihren biografischen Verflechtungen eine ganz neue Perspektive auf sein künstlerisches Schaffen. Tillmans zeigt in Haus Cleff eine Gesamtinstallation mit Fotografien und Videoprojektionen in 30 Räumen auf drei Etagen. Mit der Ausstellung in Remscheid ist das Museum nach einer über zehnjährigen Sanierungszeit erstmals wieder für Besuchende erfahrbar. 

Das Bürger- oder Patrizierhaus Haus Cleff war und ist ein Identifikationsort Remscheids mit einer wechselvollen Geschichte. Von den Brüdern Hilger 1778/79 als Kontor- und Wohngebäude in der bergischen Besonderheit eines Doppelhauses errichtet, bewohnten die Geschwister die beiden annähernd symmetrischen Haushälften „Küche an Küche“. Das beeindruckende Fachwerk-Gebäude repräsentierte einerseits den Wohlstand der Unternehmer, andererseits spiegelt es die für die bergische Kleineisenindustrie charakteristische Arbeitsteilung eines Familienunternehmens wider. In eben dieser bot einer der Brüder die Waren in aller Welt feil, während der andere zuhause die kaufmännische Abwicklung sowie Zulieferung des Verlagswesens mit den lokalen Feilen- und Sensenschmieden unterhielt. 

In der Belletage des Bürgerhauses leiten die zart-ornamentierten Rokoko-Fenster den Blick vom auf der Anhöhe „Hasten“ gelegenen Prachtbaus hinunter in das Tal. Architektur als in Stein verewigte Macht: Die in den wasserführenden Tälern tätigen Eisenwarenproduzenten mussten die Anhöhe erklimmen, um bei Kaufleuten wie den Hilgers vorzusprechen und ihre Waren in den Vertrieb zu geben. Selbstbewusst verweisen die Wappen Russlands und Hollands über den Flügeltüren der Vorderseite auf die internationalen Handelspartner der Hilgers. In der ehemaligen Küche tragen die Delfter Fliesen die Initialen der Bauherren. Ein eigener Brunnen stellt einen im 18. Jahrhundert nur wenigen Wohlbetuchten vorbehaltenen Luxus dar. 

In der Napoleonischen Ära residierte Bürgermeister Heinrich Sonntag in Haus Cleff. Die aus den Befunden der denkmalpflegerischen Bestandsaufnahme abgeleiteten historischen Wandfarben lassen die ehemalige Nutzung der Repräsentationsräume erahnen. 1847 übernahmen die Brüder Cleff das Gebäude, um es in den kommenden Jahren im Zuge der Industrialisierung um ein Kontorhaus und zwei Produktionshallen zu erweitern. 1927 kaufte die Stadt Remscheid Haus Cleff, das ab diesen Zeitpunkt als „Heimatmuseum“ diente. Ein renovierter Raum im Mansardengeschoss erinnert auch heute noch an diese Zeit. Infolge seiner Wiedereröffnung mit der Ausstellung in Remscheid erweitert das Haus als zweites Museum dauerhaft das historische Gebäudeensemble des Historischen Zentrums / Deutschen Werkzeugmuseums.

Der Künstler begleitete unterschiedliche Phasen der denkmalgerechten Sanierung in Lehmbauweise, in der das Fachwerkgebäude nachhaltigkeitskonform für die Bedürfnisse eines Museumsbetriebs modernisiert wurde. Tillmans’ vielschichtige Installation greift Spuren dieser Bau- und Nutzungsgeschichte auf und setzt sie in Beziehung zu seinen Wurzeln in der Stadt und dem eigenen Werdegang: Von Remscheid aus nach London und Berlin, blieb er seiner Geburtsstadt stets verbunden. Die Arbeiten treten in Dialog mit der Architektur des Hauses und der Geschichte der Remscheider Werkzeugindustrie. Sie ermöglichen eine einzigartige Erfahrung, in welcher Gegenwart, Vergangenheit und Zukunft zu einer neuen Erzählung verschmelzen.

Tillmans Werk zeichnet sich durch eine besondere Verbundenheit mit seiner Umwelt und den ihn begegnenden Menschen aus, was zugleich sein künstlerisches Werk mit seinem politischen Engagement verbindet. So hat der Künstler gezielt Begegnungen mit ortsansässigen metallverarbeitenden Betrieben und den in ihnen tätigen Menschen gesucht. Es entstanden Porträts von Arbeitern, die neben solchen von Familienmitgliedern (das berühmte Bild der Mutter mit Trockenhaube), Freunden (Alexandra Bircken und Lutz Huelle – alten Schulfreunden, die zu langjährigen Weggefährten wurden) sowie internationalen Stars wie Lady Gaga oder Frank Ocean hängen. Es werden Verbindungen zu analogen Herstellungsprozessen in Industrie und Fotografie gezogen, wie sie in Tillmans’ abstrakten Arbeiten der Lighter und Freischwimmer mitschwingen. Der lichtdurchflutete Raumkörper von Haus Cleff wurde Gegenstand der Arbeiten von Wolfgang Tillmans. Nachts hingegen scheinen die Sterne über Haus Cleff besonders nah, was für den Künstler Inspiration zur Fortführung seiner Arbeit mit optischen Werkzeugen der astronomischen Himmelsbetrachtung ist. Unter anderen ist auch diese Arbeit in Haus Cleff zu sehen. 

Von Remscheid in die Welt: Manche Werkgruppen wie die Schwarzweißfotokopien sind noch hier vor Ort entstanden. Andere, wie die paper drops oder apple trees, verweisen auf Tillmans langjährigen Aufenthalt in London, wo seine Karriere begann. Wir sehen Arbeiten, die auf ausgedehnten Reisen entstanden sind (Neue Welt) oder Partybilder, die nur auf den ersten Blick einen Gegensatz zu den Räumlichkeiten darstellen. Sie entsprechen der Gleichzeitigkeit und Verbundenheit von Dingen, Geschehnissen und Interessen von Tillmans.

Die Ausstellung in Remscheid korrespondiert zudem mit der Dauerausstellung im Deutschen Werkzeugmuseum. In der Abteilung Handelsgeschichte kann etwa der Reisekoffer von F. C. Tillmans, dem Großvater des Künstlers, zusammen mit einzelnen Dokumenten aus den 1920er und 30er Jahren besichtigt werden, die Einblicke in die Handelswege des Familienunternehmens nach Mittelamerika geben. 

In Zusammenarbeit mit der Stadt Remscheid, mit freundlicher Unterstützung der Galerie Buchholz


Sonderaustellungen im DWM

Unser Haus können Sie ruhig öfter besuchen, denn neben der Dauerausstellung und unseren diversen Veranstaltungen bieten wir Ihnen regelmäßig wechselnde Sonderausstellungen an. Zwei- bis viermal im Jahr greifen wir ein Thema auf und stellen dazu passende Exponate, Texte und Abbildungen zusammen. Wichtig ist, es hat immer mit Werkzeug zu tun.

Die Bandbreite ist groß und reicht von künstlerischen bis zu technischen sowie von historischen bis zu modernen Themen. Dabei stehen natürlich die Originalobjekte im Vordergrund und werden durch Fotos und Texte ergänzt und erläutert. Wie es sich für unser Museum gehört, gibt es fast immer etwas auszuprobieren.

Nachfolgend finden Sie die aktuelle Sonderausstellung und eine Chronik der Sonderausstellungen bis 2016 mit jeweils einer Kurzbeschreibung.

22.03.2024 – 2025

Ich bin neu hier!
Besondere Neuzugänge im DWM

Die aktuelle Sonderausstellung zeigt besondere Neuzugänge im Deutschen Werkzeugmuseum der letzten Jahre. Sie können sehen, was das Museum für spannende Objekte geschenkt bekommen hat. 

31.03.2023 – 14.01.2024

Nahtlos Fahrradfahren! Diamant-Rahmen durch Mannesmann!

Schauen Sie sich die Entwicklung anhand toller Fahrräder an und staunen Sie über die modernen Carbon-Rahmen.

08.10.2021 – 08.01.2023

Beitel – scharf & geschlagen

Holzbearbeitungswerkzeuge mit Herkunftsnachweis

11.12.2020 – 08.08.2021

(K)Ein Kinderspiel…
Früh übt sich, wer ein Meister werden will!

Spielzeug ist schön!
Kinder freuen sich über Spielzeug!
Jeder denkt bei Spielzeug an seine Kindheit und hat meist positive Erinnerungen!
Spielzeug ist positiv besetzt!
Spielzeug ...

Aber ist das alles „Ein Kinderspielzeug“?

Hat Spielzeug nur die Funktion Kinder zu unterhalten oder sie vor Langeweile zu bewahren? Nein, Kinder sollen auch etwas daran und damit lernen. Auch sollen Sie Erfahrungen sammeln, mit anderen Kinder zusammen oder kooperativ zu handeln und gegebenenfalls ein großes Projekt gemeinsam fertig zu stellen. Weiterhin sollen Fingerfertigkeit oder Ausdauer trainiert werden. 

Doch ist das alles?

Natürlich sind es alles „Kinderspielzeuge“, aber bestimmte Spielzeuge haben auch die Funktion, Kinder in eine bestimmte Richtung zu lenken oder anders ausgedrückt, sie zu konditionieren.

Das kann auf ganz unterschiedlichen Ebenen stattfinden. Jungs können an handwerkliche Tätigkeiten herangeführt werden oder Mädchen sollen die Hausarbeit lernen.

15.11.2019 – 01.11.2020

FLOTT

Bohrmaschinen der Extraklasse

Die Entwicklung des Bohrens und der Bohrmaschinen am Beispiel der Firma Flott und seiner 165jährigen Geschichte dargestellt. Originalmaschinen vom Regulateur aus der Zeit um 1900 bis zur heutigen computergesteuerten Maschine für Bohrdurchmesser von bis zu 40 mm zeigen die Entwicklungsschritte auf. Weiterhin geht es um besondere Erfindungen, die Handbohrwinden, die Werbung oder das Schleifen.

07.06.2019 – 27.10.2019

Arbeit ist das Salz des Lebens!

Die Ausstellung war Bestandteil des Themenjahres „Ganz viel Arbeit“ der Bergischen Museen

Arbeit ist das Salz des Lebens – ist das auch für alle so? Finden alle ihre Erfüllung in der Arbeit oder ist es vielmehr ausschließlich ein „Broterwerb“? Welche Berufe erlauben ein großes Maß an Selbstbestimmung und Kreativität und welche sind so gefährlich, dass das Leben dabei ständig bedroht ist oder Langzeitschäden zu erwarten sind. Weitere Aspekte sind die Veränderung der Arbeitsbedingungen (Sicherheit, Arbeitszeit) und des Arbeitskampfes, besonders am Beispiel der Feilenhaueraufstände Remscheids dargestellt. Ein weiteres Stichwort ist die „work-life-balance“ – was wurde in der Freizeit gemacht und wie hat sich das verändert?

16.11.2018 – 19.05.2019

Ans Licht geholt …

Fotografisch-künstlerische Blicke auf verborgene Schätze des Museums

Zwei hervorragende Fotografen (Frauke Fuck, Dr. Heinz-E. Boden) haben sich tagelang in unser Magazin eingeschlossen und die unterschiedlichsten Werkzeuge fotografiert. Dabei haben sie mit Licht, Hintergründen, besonderen Blickwinkeln oder Detailansichten gespielt, wodurch hervorragende und künstlerische Fotos entstanden. Gerade die künstlerische Darstellung der harten Werkzeuge lässt eine besondere Spannung entstehen. In vielen Fällen geht die Abstraktion soweit, dass der Betrachter die Werkzeuge und deren Funktion nicht mehr erkennen kann. Aus diesem Grund haben wir die Fotos mit den Originalen durch farbige Bänder miteinander verbunden.

29.06.2018 – 04.11.2018

Werkzeuge ganz fein und elegant

Historische Musterbücher und Kataloge

Heutzutage werden Werkzeuge wie andere Waren häufig über das Internet verkauft. Anfragen von Kunden können innerhalb von Sekunden beantwortet werden und der Ort, das Land oder der Kontinent spielen dabei keine Rolle.

Das war früher ein wenig anders. Die Hersteller und die Händler mussten häufig lange Reisen auf sich nehmen und Ihre Waren entweder per Musterkoffer, Katalog oder Musterbuch anbieten. Wir zeigen die Herstellung, die Druckereien sowie die ganze Bandbreite dieser außergewöhnlichen Exponate - von sachlich informativ bis ästhetisch ansprechend.



26.11.2017 – 10.06.2018

Den Bergischen ins Gesicht geschaut, Part 2

Persönlichkeiten der bergischen Industrie
Fotografiert von Zbigniew Pluszynski

Portraits von weiteren herausragenden Persönlichkeiten aus dem Bergischen Land präsentieren wir in dieser zweiten Auflage der Sonderausstellung. Sie findet nicht ohne Grund im Deutschen Werkzeugmuseum statt. Hier schließt sich der Kreis, da der Fokus auf Persönlichkeiten aus der Wirtschaft liegt, die mit der Werkzeugherstellung oder dem -handel verbunden sind. Über die Portraits hinaus stellen wir das Portfolio der einzelnen Firmen und deren Geschichte dar. Die markanten Portraits hat Zbigniew Pluszynski alle hier im Museum fotografiiert, der in Bytom/Polen geboren ist, in Düsseldorf Fotografie studiert hat und seit den 90er Jahren als freiberuflicher Fotograf arbeitet.

13.07.2017 – 05.11.2017

Ganz schön ausgefeilt!

Schlag auf Schlag entsteht die Feile
Geschichte, Aufschwung und Niedergang, Herstellung und Handel

Remscheid und Feilen sind untrennbar miteinander verbunden! Schon früh war die Feilenherstellung ein zentraler Punkt der Werkzeugherstellung in Remscheid. Die Rohlinge wurden in den Wasserhämmern geschmiedet und dann entstand Hieb für Hieb die Feile. Zuerst in reiner Handarbeit, später mit Maschinen, die über Transmissionen angetrieben wurden. In der Ausstellung stellen wir die unzählbaren und unterschiedlichsten Typen, den Herstellungsprozess, den Handel und die Arbeitsweise in der ehemals letzten lokal produzierenden Fabrik, Ernst Ehlis Remscheid Schlepenpohl, vor. Der Original Messestand aus den 1960er Jahren als auch außergewöhnliche Exponate sind zu sehen.

06.04.2017 – 02.07.2017

WerkzeugKunst

Der besondere Blickwinkel der Künstlerin Justine Bocian auf Werkzeuge

Werkzeuge und Kunst oder Werkzeuge aus der Sicht eines Künstlers oder Werkzeuge in der Kunst .... wir haben es WerkzeugKunst genannt. In der Ausstellung können Sie die Blickwinkel der Künstlerin Justine Bocian nachvollziehen. Außergewöhnliche, neue und spannende Darstellung von Dingen, die so alltäglich sind und hier auf ein anderes Niveau gehoben werden. Sie werden Freude daran haben - sehr geehrte Damen und Herren! Die Ausstellung ist eine Kooperation mit der Forschungsgemeinschaft Werkzeuge und Werkstoffe e.V. Ein Teil der gezeigten Kunstwerke sind in dem gleichnamigen Kalender für das Jahr 2017 veröffentlicht.

06.11.2016 – 26.03.2017

Den Bergischen ins Gesicht geschaut

Persönlichkeiten der bergischen Industrie
Fotografiert von Zbigniew Pluszynski

Portraits von herausragenden Persönlichkeiten aus dem Bergischen Land präsentieren wir in dieser Sonderausstellung. Sie findet nicht ohne Grund im Deutschen Werkzeugmuseum statt. Hier schließt sich der Kreis, da der Fokus auf Persönlichkeiten aus der Wirtschaft liegt, die mit der Werkzeugherstellung oder dem -handel verbunden sind. Über die Portraits hinaus stellen wir das Portfolio der einzelnen Firmen und deren Geschichte dar. Die markanten Portraits hat Zbigniew Pluszynski alle hier im Museum fotografiert, der in Bytom/Polen geboren ist, in Düsseldorf Fotografie studiert hat und seit den 90er Jahren als freiberuflicher Fotograf arbeitet.

24.06.2016 – 30.10.2016

Jetzt geht’s rund!

Dampfmaschinen – klein, aber fein.
Modelle, Eigenbauten, Lokomobile.

Nicht jeder kann eine große Dampfmaschine mit einem Schwungrad von annähernd vier Metern Durchmesser, wie wir sie bei uns im Deutschen Werkzeugmuseum stehen haben, sein Eigen nennen. Die einfache aber perfekte Technik fasziniert aber trotzdem ganz viele Menschen, so dass sie sich kleine Kopien davon zulegen. Fast jeder Junge hatte eine Modelldampfmaschine, zumeist aus Blech von einem renommierten Hersteller. In der Ausstellung finden Sie die edleren Ausführungen, zumeist Handarbeiten - Meisterwerke der Feinmechanik.

05.02.2016 – 05.06.2016

Neue Perspektiven

Neue Blickwinkel auf das Deutsche Werkzeugmuseum
Nicht nur eine Fotoausstellung von Thomas E. Wunsch

Der Fotograf Thomas E. Wunsch zeigt in dieser Sonderausstellung seinen Blick auf das Deutsche Werkzeugmuseum. Gerade seine außerordentlichen Blickwinkel lassen Werkzeuge und Maschinen zu grafischen Elementen werden. Durch extreme Nahaufnahmen oder das Verschieben der Schärfeebenen werden die Objekte so stark verfremdet, dass ein sofortiges Erkennen nicht möglich ist. Dabei spielt der Fotograf mit Farben und Formen sowie Architekturelementen und grafischen Abstraktionen und erzielt damit eine außergewöhnliche, abwechslungsreiche und fesselnde Spannung.